Regional ist genial -Global ist real


von Andreas Kratzer

Im Moment hört man in den Nachrichten nichts anderes mehr wie Heiligendamm, G8 und Globalisierungsgegner. Globalisierungsgegner? Was ist das? Wenn man den Nachrichten glaubt, gibt es sie wirklich Doch was ist ein Globalisierungsgegner? Jemand der immer noch glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist, und dass nach Frankreich nur noch ein paar “Robinson Clubs” kommen? Wer wirklich meint er ist ein Gegner der Globalisierung, ich glaube behaupten zu können, der hat den Zug verpasst.

Nur ein alltägliches Beispiel: Der Wecker (Japan) klingelt. Ich stehe auf und gehe ins Bad um mir die Zähne mit meiner neuen Zahnbürste (China) zu putzen. Nach meiner Morgentoilette ziehe ich mich an. Mein Anzug trägt zwar das Label von Boss, doch es wurde von Näherinnen aus Rumänien genäht. Ich gehe in die Küche schalte meinen Gasherd (Russland) ein, um mir ein Frühstücksei (Gablingen) zu kochen. Den Kaffee (Peru) den ich mir in den Filter (Finnland) kippe ist von hervorragender Qualität. Und in Kombination mit meiner AEG-Kaffeemaschine (Polen) mache ich mir jeden Tag den besten Kaffe den man sich zum Frühstück nur wünschen kann. Vor meiner Haustür (Gablingen) liegt meine Tagszeitung (Ausgburg) die ich auch täglich mit Genuss lese. Das Papier (Schweden) das ich da täglich in den Händen halte ist es wert, jeden Morgen einige Minuten früher aufzustehen. Nach dem Frühstück fahre ich meinen Rechner (Korea) hoch. Mit meinem Betriebssystem (Amerika) bin ich eigentlich recht zufrieden, doch Linux (Welt) macht dieser Firma schon mächtig Konkurrenz ….

So vergeht Tag für Tag und wir merken nicht, wie wir eigentlich mit der ganzen Welt in Verbindung stehen. Man kann das wollen oder nicht, doch das ist einfach so. Ich bin auch der Meinung, dass vieles nicht richtig läuft. Doch wir müssen die Globalisierung nicht verhindern wir müssen sie gestallten.
Ich versteh die massive Kritik an dem G8 Treffen nicht. Hier treffen sich Menschen, die sehr viel Macht haben, um die richtigen Weichen zu stellen. Und ich finde es sehr wichtig, dass diese Menschen sich miteinander unterhalten. Stellen Sie sich vor, die Leute die diese Woche in Heiligendamm waren, sprechen nicht mehr miteinander. Wir hätten ein größeres Problem.

Doch was soll das alles auf meiner Homepage. Ich bin ein Mensch, der sich für diese Dinge interessiert, und auch eine politische Meinung hat. Doch wie kann man als kleiner „Pimpf“ Globalisierung gestallten? Wie kann mein Beitrag dazu aussehen? Wenn man der Meinung ist, dass es eh keinen Sinn hat, dann tue ich mich sehr leicht. Ich schiebe die Verantwortung an die Besucher von Heiligendamm, schimpfe auf die Weltpolitik und warte ab, bis die nächste Demo ansteht.
Doch das ist meiner Meinung der falsche Weg. Für mich ist das Wichtigste jedes einzelnen Menschen, und sei er noch so ein kleiner „Pimpf“, Verantwortung zu übernehmen. Ich kann nicht fordern, dass der Kohlendioxidausstoß auf 50% gesenkt wird. Handle selbst! Ich kann nicht fordern, dass Afrika mehr Entwicklungshilfe bekommt. Handle selbst! Ich kann mich nicht über die schlechten Arbeitsbedingungen in China aufregen. Handle selbst!
Mit jedem Euro den ich ausgebe, übernehme ich Verantwortung. Deshalb ist es auch wichtig zu wissen, wem ich mein Geld gebe. Ich habe die Wahl!

In der Überschrift steht: Regional ist genial – Global ist real. Blicken wir vielleicht nicht immer gleich so weit weg. Das ist einfach und wir finden leicht Fehler. Fangen Sie zuhause an. Wie geht es meinem Nachbarn? Wie funktioniert das Vereinsleben in meinem Dorf? Soll ich mich in der Kommunalpolitik engagieren? Dort fängt für mich Globalisierung an!

Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann ändert sich die Welt! Afrikanisches Sprichwort

3 Kommentare zu “Regional ist genial -Global ist real”

  1. Danke für diesen interessanten Artikel. Ich stimme Ihnen in vielem zu. Ich bin auch überzeugt, dass man aktiv die Globalisierung gestalten sollte und jeder einzelne mitbestimmen kann, in welche Richtung die Globalisierung geht. Ich persönlich nutze auch gerne und bewusst regionale Produkte.

    Etwas anders sehe ich die Demonstrationen, die es beim G8 Gipfel gab. Ich denke schon, dass sie wichtig sind und habe mich im Vorfeld auch hier engagiert. Ich bin der Überzeugung, dass man zwar auch selber handeln sollte – aber: Auf die Straße gehen und zu demonstrieren für eine gerechtere Welt ist auch eine Handlung und ich finde auch dieses Engagement gut und wichtig.

    Maxime sollte – da stimme ich wieder zu – sein, dass man sich aus seinem stillen Kämmerchen aufschwingt und etwas unternimmt und nicht nur jammert.

  2. Sie haben Recht. Sicherlich hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben, wenn es die Demonstrationen in Heiligendamm nicht gegeben hätte. Die ganze Sache wäre bei weitem von den Medien nicht in diesem Maße aufgegriffen worden und somit nicht in das Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten. Mit Sicherheit wurde durch den massiven Protest im Vorfeld, das Programm dieser drei Tage mitgestaltet.
    Ich glaube auch nicht, dass in Heiligendamm nur “Globalisierungsgegner” anwesend waren. Sicherlich auch viele “Globalisierungskritiker” und da gehöre ich auch dazu.
    Doch auf was es mir ankommt, habe ich in meinem Artikel schon geschrieben. Verantwortung übernehmen, und da schließt das eine das andere nicht aus.

  3. Interessante Unterscheidung zwischen “Globalisierungsgegner” und “Globalisierungskritiker” – hab ich so bisher noch gar nicht gesehen.

    Ich persönlich bin kein großer Freund der Globalisierung (sogar ein Gegner?), war aber auch nicht bei den Protestlern in Heiligendamm dabei. Sinnvoller finde ich, das ganze kritisch zu betrachten und die Globalisierung (die unaufhaltsam ist??) zu gestalten.

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