Der Käse ist der Stolz des ganzen Dorfes
von Andreas Kratzer
Ein Artikel in der Augsburger Allgemeine vom 10. September
Von Gloria Brems
Affaltern/Biberbach. Sie ist die letzte ihrer Art. Die Landkäserei Reißler in dem beschaulichen Örtchen Affaltern ist die Einzige im Landkreis Augsburg. Früher hatten noch viele Dörfer ihre eigene Käserei, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Die großen Handelsketten machten ihnen das Leben schwer, sodass eine nach der anderen aufgab. 
Stefan Kaiser aber hatte einen Traum. Er wollte schon immer seine eigene Käserei. Und er hat ihn verwirklicht. Vor einem Jahr übernahm der 24-Jährige die Käserei Reißler, denn er hat den Trend der Zeit erkannt. “Wo es nur noch große Supermärkte und Discounter gibt, sehnen sich die Menschen nach Individualität”, sagt Kaiser. Die hat der junge Mann den Menschen in Affaltern und der Region zurückgegeben: “Es ist schön zu sehen, dass sich die Menschen mit der Käserei und ihren Produkten identifizieren.”
Die Milch für den Käse bezieht Kaiser ausschließlich von Bauern aus der Region. Morgens um sieben Uhr kommt der Milchwagen an der kleinen Käserei an. Zuvor hat er die frische Milch auf den Bauernhöfen im Umkreis eingesammelt. Dann werden rund 5000 Liter pro Tag verarbeitet. Die Milch wird erhitzt, zentrifugiert und dann wieder gemischt, um den richtigen Fettgehalt in den Käse zu bekommen. Lightprodukte gibt es bei Kaiser nicht: “Wer bei uns einkauft, will Spezialitäten. Und die schmecken eben nur, wenn auch ein bisschen Fett drin ist.”
Den gesamten Produktionsablauf können die Kunden von draußen durch große Fenster mitverfolgen. “Wir wollen den Menschen zeigen, wie ihr Käse entsteht und dass nichts hineingemischt wird, was nicht auf der Verpackung steht”, erklärt er. Kindergartengruppen und Schulkinder kämen oft vorbei, und Kaiser und seine Angestellten nehmen sich gerne die Zeit, den Kindern die Käseproduktion zu erklären.
Molkereimeister Kaiser brauchte keine lange Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob er die Landkäserei kaufen sollte. Kurz entschlossen packte er die Gelegenheit beim Schopf. Er hat viel modernisiert und die Technik verbessert, aber sein ganzer Stolz ist der kleine Käseladen, den er direkt neben den Produktionsräumen eröffnete. Hier verkauft er nicht nur seinen Käse, sondern auch Produkte von Landwirtskollegen wie Nudeln, Wein, Blaukraut oder Apfelsaft.
Mit dem Käseladen hat Kaiser ein Stück Dorfkultur nach Affaltern zurückgebracht. “Das ist hier das einzige Geschäft. Die Menschen kommen gerne her, kaufen ein und ratschen”, erzählt der Jungunternehmer. “Hier können die Kunden noch die verschiedenen Käsesorten durchprobieren oder auch mal einen Sonderwunsch äußern.”

Kommentar schreiben.