Wenn Wissen Kontakte knüpft!


von Andreas Kratzer

Letzte Woche gab ich für das Magazin “DLG Mitteilungen” (ein führendes Fachmargazin in der Landwirtschaft) ein Interview zum Thema Betriebsentwicklung:

Herr Kratzer, wie haben Sie Ihren Betrieb weiterentwickelt?
Die Wege die man mit seinem Betrieb einschlägt, dürfen keine Zufallsentscheidungen sein. Sie müssen gedanklich durchgespielt werden, so dass sie der tatsächlichen Situation immer einige Zeit voraus sind. Nur so kann ein strategisches und stabiles Wachstum sichergestellt werden. Kurzfristige Verlockungen dürfen auf die Betriebsentwicklung keinen Einfluss haben. Ob der Milchpreis 40 oder 25 Cent beträgt, darf nichts an der langfristigen Strategie ändern.

Heißt das, die einmal gefasste Zielsetzung ist unumstößlich?

Nein. Es muss auch klar sein, dass ein langfristiges Ziel kein fixer Punkt ist. Neue Einflussfaktoren gewinnen an Bedeutung. Das Ziel für unseren Betrieb beschränkt sich nicht nur auf das Wort Wachstum. Es muss intelligenter formuliert werden.

Was meinen Sie damit?
Ich finde es wichtig, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden. Diese haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Betriebes. Der Zukauf von Hard Skills, z.B. Arbeitserledigung in der Außenwirtschaft, Pflanzenbauberatung, ist selbstverständlich, um Wachstum sicherstellen zu können. Der Erfolg aber entscheidet sich in den Soft Skills des Unternehmers. Kreativität und Kooperationsfähigkeit sind die Schlüsselqualifikationen, die nur sehr schwer zugekauft werden können, die aber das langfristige Überleben sichern.

Welche Bedeutung hat für Sie kreative Weiterentwicklung?
Es macht Spaß, mit Menschen, die ähnlich denken, neue Dinge zu entwickeln. Wenn Wissen Kontakte knüpft, ist das für mich Kreativität. So entstand auch eine sehr erfolgreiche Maschinengemeinschaft in unserem Dorf. Es geht nicht um die revolutionären Neuentdeckungen, vielmehr um kleine logische Schritte die weiterbringen. Davon lebt unser Betrieb. Für mich ist entscheidend, meine Situation zu erkennen und daraus meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Aus dieser Geisteshaltung heraus entstehen Zukunftsbetriebe.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Alle Dinge die ich erlebe, alles was ich lese, die Gespräche die ich führe, nehme ich auf. Plötzlich ergeben sich daraus neue Ideen. Ein Beispiel: Eine Frau fragte mich, ob sie in ihrem Dorf unsere Lebensmittel verkaufen darf. Doch sie hatte wenig Platz. Wir kombinierten Hausfrau und Internet, erstellten einen Katalog sowie einen Onlineshop und schon war der »eipoint« geboren.

Was empfehlen Sie Betriebsleitern, um mehr Ideen in ihr Unternehmen zu tragen?
Neugierde! Das Blickfeld muss über die Landwirtschaft hinausgehen. Das Trainee-Programm der DLG ist hierfür ein vorbildliches Beispiel. Denn eines ist sicher, egal ob Sie Hosenträger, Weizen oder Milch verkaufen: Es muss mehr Geld eingenommen werden als ausgegeben wird. Nur jeder macht es anderes. Und von jedem kann man lernen.

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