Brief nach Brüssel


von Andreas Kratzer

Sehr geehrter Herr Ferber,

ich möchte noch einmal auf ihr Angebot zurückkommen, dass Sie meinem Vater in Brüssel bezüglich eines Betriebsbesuches und ein Gespräch mit unserer örtlichen Veterinärbehörde gemacht haben. „Um dem Landwirt zu demonstrieren, dass er es ernst meint, bietet Ferber an, sich vor Ort zu informieren …“ AZ vom 20. April 2009. Mir geht es in diesem Gespräch speziell um die neue Hühner-Salmonellen-Verordnung und die Probleme die daraus für kleine und mittlere Legehennenbetriebe entstehen.

Vorab einige Infos: es werden in unseren Ställen nun regelmäßig alle 15 Wochen Sockentupferproben (das heißt Proben aus dem Staub und Kot im Hühnerstall) gezogen. Sind diese positiv entsteht ein Verbot, die Eier die diese Tiere legen, als Eier der Güteklasse A zu verkaufen. Das bedeutet für einen kleinen Betrieb, der keine Möglichkeit hat die Eier als Güteklasse B zu vermarkten, dass er seine Hühner töten muss. Jeder Veterinär wird ihnen bestätigen, dass die Lebensmittel die diese Tiere erzeugen keinerlei Mängel aufweisen. Doch für einen kleinen Direktvermarkter wie wir es sind, bedeutet dies eine Existenzgefährdung des Betriebes. Wir reden hier auch nicht von irgendwelchen seltenen Bakterien. In 20% der Legehennenbetriebe in Deutschland (Spanien 70%) wurden im Stall Salmonellen nachgewiesen. Auch kommen Salmonellen in der Umwelt häufig vor; so scheidet jeder Mensch im Durchschnitt eines Jahres mind. einmal Salmonellen aus.

Wird ein Vermarktungsverbot ausgesprochen, wenn Salmonellen auf dem Ei gefunden werden, habe ich nichts einzuwenden. Ich habe auch nichts gegen die Probeziehung mit Sockentupfern, doch die Konsequenzen, die durch dieses Gesetz entstehen sind unverantwortlich.

In großen Legehennenkonzernen sind eigene Verarbeitungsbetriebe angeschlossen. z.B. gehört zur Deutschen Frühstücksei GmbH (mehr als 10 Mio Tiere) der Aufschlagbetrieb Ovobest. Fällt nun eine Farm wegen eines positive Salmonellenbefundes aus, geht eben dieser in die Verarbeitung. In solchen Betrieben hat das neue Gesetz keine nennenswerten Auswirkungen. Für einen Betrieb wie den unseren bedeutet es das finanzielle Aus. In den bisherigen Ergebnissen, konnte auch kein Zusammenhang zwischen Managementfehlern und positiven Befunden festgestellt werden. So dass dieses Gesetz für mich als kleiner Legehennenhalter russisch Roulett bedeutet – alle 15 Wochen kann eine Kugel aus dem Lauf kommen. Der Landwirt der seine Hühner im Freien hält, spielt das gleiche Spiel. Nur stecken in seiner Revolvertrommel noch ein paar Kugeln mehr.

Dazu Ihre Aussage: “Alle Überlegungen auf europäischer Ebene, mit weiteren bürokratischen Vorschriften die Landwirtschaft zu reglementieren und zu strangulieren lehne ich grundsätzlich ab. Eine Agrarpolitik, die nur Großbetriebe unterstützt, findet ebenfalls nicht meine Zustimmung. Gerade die bayerische bäuerliche Landwirtschaft muss im europäischen Binnenmarkt eine Chance haben.”

Wenn Sie es damals in Brüssel ehrlich gemeint haben, dann würde ich mich freuen Sie auf unserem Betrieb begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Kratzer

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