Gablingen/Brüssel


von Andreas Kratzer

ferberLetzte Woche besuchte mein Vater das EU Parlament in Brüssel. Dabei traf er auch Politiker aus unserer Region. Was dabei herausgekommen ist können Sie in der Augsburger Allgemeine und in der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

Zwei Tage später rief das Büro von Herrn Ferber an, um eine interview in Sat1 mit meinem Vater durchzuführen. Doch daraufhin schrieb ich Herrn Ferber folgenenden Brief:

Sehr geehrter Herr Ferber,

ich war wirklich erstaunt, welches mediale Echo der Ausflug meines Vaters nach Brüssel, nach sich gezogen hat. In vielen Punkten muss ich meinem Vater Recht geben, obwohl er nicht mehr direkt mit dem täglichen Betriebsablauf vertraut ist, und somit auch die Details nicht kennt.

Es freut mich, dass Sie die Sache ernst nehmen, und die Dinge vor Ort klären wollen. Ich bin mir auch sicher, dass wir von unseren Standpunkten überhaupt nicht weit auseinander liegen. Auch ich bin der Meinung, dass die Kompetenz der örtlichen Prüfer erhöht werden muss. Nur diese können beurteilen, welches „Gefahrenrisiko“ von einem lebensmittelverarbeitenden Betrieb ausgeht. Sie kennen den Betriebsleiter und können seine Sorgfaltspflicht richtig einschätzen. In diese Richtung geht auch die Gesetzgebung aus Brüssel. Ihm müssen Instrumente in die Hand gegeben werden, mit denen er betriebsindividuell entscheiden kann, ohne eine Wettbewerbsverzerrung herbeizuführen.

Doch in letzter Zeit wurde immer nur Verantwortung von oben nach unten weitergegeben. Keiner wollte mehr seinen Kopf hinhalten. Somit ist ein System entstanden, in dem sich jeder selbst kontrollieren muss. Durch dieses System entsteht Bürokratie. Ich bin der Meinung, dass Verantwortung wieder neu verteilt werden muss. Auch der Lebensmittelkontrolleur muss Verantwortung übernehmen können. Doch er muss auch wissen, dass er bei einem Problem nicht alleine dasteht. Sonst passiert etwas, das unweigerlich zu einem bürokratischen Papiertiger ausufert.

Auch die Medien haben in diesem „Spiel“ eine miserable Rolle eingenommen. In Deutschland haben wir die sichersten Lebensmittel und das geringste Vertrauen in diese. Das ist ein Ergebnis der sensationsgeilen Berichterstattung in unserem Land. Deshalb kann ich auch unsere Lebensmittelkontrolleure verstehen, die sich scheuen Verantwortung zu übernehmen, und sich somit der Gefahr aussetzen, am nächsten Morgen von den Medien zerrissen zu werden. Der BSE Skandal war sicherlich kein Lebensmittelskandal, in meinen Augen war dies ein Medienskandal erster Güte.

Aus diesem Grund habe ich auch kein Interesse mit ihnen in den Medien dieses Thema zu diskutieren. Doch wenn Sie ehrliches Interesse an dieser Sache haben, dann würde ich mich freuen, wenn wir uns an einen Tisch mit Vertretern der Lebensmittelkontrolle setzten und über diese Thematik sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Kratzer

1 Kommentar zu “Gablingen/Brüssel”

  1. Aus meiner Sicht reagierst du richtig: Die Medien – gerade ein Privater wie SAT1 – hätten sicherlich gerne einen aufgebrachten Bauern vor der Linse, weil das die Leute gerne sehen würden – und Herr Ferber würde sicherlich viel daran setzen, den Beitrag zu Wahlkampfzwecken zu gebrauchen und den “Freund des kleinen Mannes” zu geben ohne dann auch wirklich Veränderungen in die Wege zu leiten.

    Ein runder Tisch, der an Ergebnissen, nicht an Fernsehkameras interessiert ist, ist sicherlich für euch die bessere Alternative. Und eine gute Möglichkeit zu sehen, wes Geistes Kind Herr Ferber ist: Wahlkämpfer für sein Mandat oder Politiker für seine Mandanten?

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